RATGEBER / PSYCHISCHE FOLGEN
Schmerzensgeld bei PTBS nach Unfall: 12.000 Euro im Vergleichsfall
Das OLG Brandenburg bewertete 2019 eine anhaltende posttraumatische Belastungsstörung nach einem Unfall mit insgesamt 12.000 Euro Schmerzensgeld. Bereits gezahlte 3.000 Euro wurden berücksichtigt; weitere 9.000 Euro kamen hinzu. Entscheidend waren die festgestellten psychischen Folgen und ihr Verlauf. Die Diagnose PTBS allein begründet weder diesen Betrag noch eine bestimmte Nachzahlung.
01 / WAS WAR PASSIERT?
Der konkrete Sachverhalt.
Psychiatrisch begutachtete posttraumatische Belastungsstörung nach einem schweren Verkehrsunfall. Die erheblichen psychischen Beeinträchtigungen prägten die Lebensqualität über mehrere Jahre bis hin zur Arbeitsunfähigkeit.
02 / DIE ENTSCHEIDUNG IM ORIGINAL
Einzelfallentscheidung – kein Schmerzensgeldtarif.
Verfahrensart: Urteil. Gerichtsdatum: 06.06.2019. Dieses Datum ist nicht das Veröffentlichungsdatum des Artikels.
| Gericht | Datum | Aktenzeichen | Verletzung | Betrag / Ergebnis | Primärquelle |
|---|---|---|---|---|---|
| OLG Brandenburg | 12 U 119/18 | Anhaltende PTBS nach einem Verkehrsunfall | 12.000 Euro Gesamtbetrag 12.000 Euro; nach bereits gezahlten 3.000 Euro verblieben weitere 9.000 Euro. Die mögliche zusätzliche körperliche Unfallfolge musste für diesen Betrag nicht abschließend geklärt werden. | Amtlicher Entscheidungstext Gründe II.2.d |
Gesamtbetrag 12.000 Euro; nach bereits gezahlten 3.000 Euro verblieben weitere 9.000 Euro. Die mögliche zusätzliche körperliche Unfallfolge musste für diesen Betrag nicht abschließend geklärt werden.
03 / WAS DER FALL ZEIGT
Der dokumentierte Verlauf ist wichtiger als das Diagnosewort
Psychische Verletzungsfolgen lassen sich nicht sinnvoll anhand eines einzelnen Stichworts vergleichen. Maßgeblich ist, wie sich die Erkrankung entwickelt hat und welche Einschränkungen dem Ereignis zugerechnet werden konnten. Der Fall betrifft eine anhaltende Belastung und ist daher kein allgemeiner Maßstab für vorübergehenden Schrecken nach einem Unfall.
Für die rechtliche Prüfung helfen fachärztliche oder psychotherapeutische Befunde, Behandlungstermine und eine nachvollziehbare Entwicklung der Beschwerden. Dabei müssen bestehende Vorerkrankungen und spätere Belastungen offen eingeordnet werden. Der Gesamtbetrag von 12.000 Euro setzt sich im veröffentlichten Fall aus früherer Zahlung und zusätzlicher Verurteilung zusammen; die Nachzahlung von 9.000 Euro darf nicht mit dem gesamten Ausgleich verwechselt werden.
So prüfen Sie die Vergleichbarkeit.
- Befund abgleichen: Vergleichen Sie die festgestellten Verletzungen und den Verlauf, nicht nur das Diagnosewort.
- Ergebnis richtig lesen: Unterscheiden Sie Forderung, frühere Zahlung, Gesamtbetrag und noch offene Nachzahlung.
- Haftung mitdenken: Prüfen Sie, ob die Entscheidung Mitverschulden, eigene Tiergefahr oder andere Besonderheiten berücksichtigt.
Diese Entscheidung ist ein Beispiel, keine Spanne und keine Kaufkraftanpassung. Sie ersetzt keine Prüfung Ihres Sachverhalts und garantiert kein Ergebnis.
Grundlagen: Psychische Folgen · Unterlagen und NachweiseQuellen und rechtliche Grundlagen.
OLG Brandenburg, Urteil vom 06.06.2019, 12 U 119/18
Amtlicher Entscheidungstext; Fundstelle: Gründe II.2.d.
Die gesetzlichen Links ordnen die behandelten Rechtsfragen ein. Der jeweilige Betrag und die konkreten Feststellungen stammen aus der verlinkten Gerichtsquelle. Die besprochenen Verfahren werden nicht als eigene Mandate oder Erfolge der Kanzlei dargestellt.
Autor: Rechtsanwalt Uğur Demirel, Rechtsanwaltskammer Hamm. Redaktionsgrundsätze und Korrekturhinweise.