RATGEBER / PSYCHISCHE FOLGEN
Schmerzensgeld bei HWS-Verletzung und Depression: 10.000 Euro
Bei einer HWS-Verletzung mit einer schweren chronischen Depression setzte das OLG Düsseldorf 2015 insgesamt 10.000 Euro Schmerzensgeld an. Die psychischen Unfallfolgen prägten die Bewertung wesentlich. Der Betrag steht daher nicht für eine gewöhnliche HWS-Distorsion, sondern für die im Verfahren festgestellte Verbindung körperlicher Verletzungen und erheblicher psychischer Beeinträchtigungen.
01 / WAS WAR PASSIERT?
Der konkrete Sachverhalt.
Nach einer HWS-Distorsion entstanden erhebliche psychische Folgebeschwerden mit chronifizierter Depression. Die Lebensqualität war in fast allen Lebensbereichen erheblich beeinträchtigt.
02 / DIE ENTSCHEIDUNG IM ORIGINAL
Einzelfallentscheidung – kein Schmerzensgeldtarif.
Verfahrensart: Urteil. Gerichtsdatum: 17.11.2015. Dieses Datum ist nicht das Veröffentlichungsdatum des Artikels.
| Gericht | Datum | Aktenzeichen | Verletzung | Betrag / Ergebnis | Primärquelle |
|---|---|---|---|---|---|
| OLG Düsseldorf | I-1 U 159/14 | HWS-Verletzung und chronifizierte Depression | 10.000 Euro Der Betrag betrifft insbesondere die erheblichen psychiatrisch begutachteten Folgen. Er ist kein Vergleich für eine gewöhnliche, folgenlos ausheilende Nackenverletzung. | Amtlicher Entscheidungstext Tenor; Entscheidungsgründe zum Schmerzensgeld |
Der Betrag betrifft insbesondere die erheblichen psychiatrisch begutachteten Folgen. Er ist kein Vergleich für eine gewöhnliche, folgenlos ausheilende Nackenverletzung.
03 / WAS DER FALL ZEIGT
Die psychische Folge verändert den Vergleich
Ein kurzer stationärer Aufenthalt bildet die Belastung dieses Falls nicht vollständig ab. Die Entscheidung berücksichtigt zusätzlich eine schwere, chronifizierte depressive Entwicklung. Ein Vergleich allein nach der Zahl der Krankenhaustage würde diesen Teil des Gesundheitsschadens ausblenden.
Körperliche und psychische Folgen sollten in den Unterlagen getrennt beschrieben und anschließend gemeinsam betrachtet werden. Bei einer Depression ist besonders wichtig, ob Diagnose, Verlauf und Zusammenhang mit dem Ereignis medizinisch nachvollziehbar sind. Die Entscheidung belegt keinen automatischen Zuschlag für das Wort Depression. Sie zeigt vielmehr, weshalb ein scheinbar ähnlicher HWS-Fall bei erheblich anderen Folgen anders bewertet werden kann.
So prüfen Sie die Vergleichbarkeit.
- Befund abgleichen: Vergleichen Sie die festgestellten Verletzungen und den Verlauf, nicht nur das Diagnosewort.
- Ergebnis richtig lesen: Unterscheiden Sie Forderung, frühere Zahlung, Gesamtbetrag und noch offene Nachzahlung.
- Haftung mitdenken: Prüfen Sie, ob die Entscheidung Mitverschulden, eigene Tiergefahr oder andere Besonderheiten berücksichtigt.
Diese Entscheidung ist ein Beispiel, keine Spanne und keine Kaufkraftanpassung. Sie ersetzt keine Prüfung Ihres Sachverhalts und garantiert kein Ergebnis.
Grundlagen: Psychische Folgen · Unterlagen und NachweiseQuellen und rechtliche Grundlagen.
OLG Düsseldorf, Urteil vom 17.11.2015, I-1 U 159/14
Amtlicher Entscheidungstext; Fundstelle: Tenor; Entscheidungsgründe zum Schmerzensgeld.
Die gesetzlichen Links ordnen die behandelten Rechtsfragen ein. Der jeweilige Betrag und die konkreten Feststellungen stammen aus der verlinkten Gerichtsquelle. Die besprochenen Verfahren werden nicht als eigene Mandate oder Erfolge der Kanzlei dargestellt.
Autor: Rechtsanwalt Uğur Demirel, Rechtsanwaltskammer Hamm. Redaktionsgrundsätze und Korrekturhinweise.