ANSPRUCHSRATGEBER / KÖRPERVERLETZUNG & GEWALT

Schmerzensgeld für psychische Folgen nach Körperverletzung

Psychische Folgen einer Körperverletzung können bei einem Schmerzensgeldanspruch relevant sein, wenn eine zurechenbare Gesundheitsverletzung nachgewiesen ist. Eine belastende Erfahrung und eine Erkrankung sind dabei zu unterscheiden. Entscheidend sind fachliche Befunde, Verlauf und der Zusammenhang mit dem Ereignis. Eine Diagnose allein liefert keinen festen Betrag und ersetzt nicht die Prüfung der weiteren Haftungsvoraussetzungen.

01 / RECHTLICH EINORDNEN

Die Gesundheitsverletzung nachvollziehbar beschreiben

Für die rechtliche Bewertung kommt es auf die konkret festgestellte Beeinträchtigung an. Allgemeine Begriffe wie Angst oder Belastung können unterschiedliche Zustände beschreiben. Eine fachliche Einordnung und der dokumentierte Verlauf helfen, den behaupteten Schaden zu bestimmen.

Die Internetinformation stellt keine Diagnose. Benennen Sie vorhandene Behandlungen und Befunde, ohne aus einzelnen Symptomen selbst eine Erkrankung abzuleiten. Der medizinische und der rechtliche Teil der Prüfung haben unterschiedliche Aufgaben.

Rechtliche Grundlage: § 823 BGB – Schadensersatzpflicht · § 253 BGB – immaterieller Schaden

02 / RECHTLICH EINORDNEN

Den Zusammenhang mit dem Angriff prüfen

Eine zeitliche Nähe allein beantwortet nicht jede Frage der Zurechnung. Vorbestehende Erkrankungen und weitere belastende Ereignisse können für die Einordnung wichtig sein. Sie sollten offen und geordnet benannt werden.

Eine sachliche Übersicht über den Verlauf unterstützt die Prüfung. Dazu können Behandlungsbeginn, Veränderungen und konkrete Einschränkungen gehören. Eine pauschale Behauptung dauerhafter Folgen ersetzt diese Darstellung nicht.

Rechtliche Grundlage: § 286 ZPO – Beweiswürdigung · § 253 BGB – immaterieller Schaden

03 / RECHTLICH EINORDNEN

Körperliche und psychische Folgen gemeinsam betrachten

Wenn beide Arten von Beeinträchtigung vorliegen, ist ihre Gesamtbelastung zu berücksichtigen. Sie werden nicht einfach mit festen Einzelpreisen addiert. Ein kurzer körperlicher Heilungsverlauf sagt deshalb nicht allein, wie die gesamte Gesundheitsschädigung einzuordnen ist.

Vergleichsentscheidungen können Unterschiede sichtbar machen, aber keinen individuellen Betrag vorhersagen. Insbesondere sind nachgewiesene Dauerfolgen von bloß behaupteten Auswirkungen zu unterscheiden. Frühere Zahlungen gehören ebenfalls in die Bewertung.

Rechtliche Grundlage: § 253 BGB – immaterieller Schaden

04 / RECHTLICH EINORDNEN

Welche Unterlagen für den Einstieg genügen

Geben Sie das Ereignis und die wesentlichen festgestellten Folgen an. Vorhandene fachliche Berichte können gezielt benannt werden. Sensible Unterlagen sollten nur im erforderlichen Umfang und über einen abgestimmten Weg übermittelt werden.

Nennen Sie auch laufende Verfahren, Fristen und Angebote zur abschließenden Regulierung. Ob ein Mandat übernommen wird und welche weiteren Schritte erforderlich sind, muss ausdrücklich geklärt werden. Eine Anfrage wahrt keine Frist.

Rechtliche Grundlage: § 630g BGB – Einsicht in die Behandlungsakte

Prüfpunkte und Nachweise – keine Betragsbewertung.

Praktische Übersicht für die Vorbereitung Ihrer Anfrage
PrüfpunktHilfreicher NachweisWichtige Abgrenzung
BefundFachliche FeststellungKeine Eigendiagnose
ZusammenhangZeitlicher VerlaufWeitere Einflüsse offen benennen
BewertungGesamte BelastungKein fester Diagnosebetrag

Das hilft beim ersten Kontakt.

  • Festgestellte Diagnosen und Behandlungsverlauf
  • Tatsächliche Einschränkungen im Alltag
  • Bisherige Angebote und Verfahren

Vorhandene Unterlagen genügen für den Einstieg. Nennen Sie bekannte Fristen und bereits abgegebene Erklärungen sofort. Eine Anfrage wahrt keine Frist.

Grundlagen zum Thema · Nachweise und Unterlagen

Primärquellen und redaktioneller Stand.

Erstellt am . Die verlinkten Vorschriften tragen die jeweils daneben erläuterten Rechtsfragen. Für ein früheres Ereignis ist die damals anwendbare Fassung gesondert zu prüfen.

Allgemeine rechtliche Orientierung; keine individuelle Anspruchs-, Diagnose- oder Betragsentscheidung. Autor: Rechtsanwalt Uğur Demirel, Rechtsanwaltskammer Hamm. Quellen, Redaktionsgrundsätze und Korrekturhinweise.

GUT ZU WISSEN

Fragen zu diesem Thema.

Allgemeine Orientierung ist ein Anfang. Welche Antwort für Ihren Fall trägt, klären wir anhand Ihrer Unterlagen.

Persönlich nachfragen
Reicht jede Angst nach einem Angriff für Schmerzensgeld?

Nicht pauschal. Eine zurechenbare Gesundheitsverletzung und die weiteren Voraussetzungen müssen nachgewiesen werden.

Ist eine Diagnose automatisch ein bestimmter Geldbetrag?

Nein. Verlauf und tatsächliche Auswirkungen sind individuell zu betrachten.

Sollten frühere Belastungen erwähnt werden?

Ja. Sie können für die medizinische und rechtliche Zuordnung wichtig sein.

VOM VERGLEICHSFALL ZU IHREM ANLIEGEN

Was bedeutet das für Ihren Fall?

Schildern Sie Ereignis, Folgen und bisherige Zahlungen. Umfang und Kosten einer möglichen Beauftragung werden vorab geklärt. Eine Anfrage wahrt keine Frist.

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