RATGEBER / AUSGEWÄHLTE UNFALLENTSCHEIDUNGEN
Schmerzensgeld bei Handgelenksbruch: 3.500 Euro nach Operation
Für einen operativ behandelten Handgelenksbruch einer älteren Geschädigten bewertete das Landgericht Bielefeld 2016 ein Schmerzensgeld von 3.500 Euro. In die Einordnung flossen die Behandlung und verbleibende Einschränkungen ein. Der Betrag lässt sich nicht aus dem Bruch allein ableiten; entscheidend sind unter anderem Heilungsverlauf und Auswirkungen auf die Nutzung der Hand.
01 / WAS WAR PASSIERT?
Der konkrete Sachverhalt.
Handgelenksnaher Speichenbruch nach einem Sturz, eine Operation und eine Woche im Krankenhaus. Danach vier Wochen Schiene; noch bestehende Bewegungs- und Belastungseinschränkungen sowie eine Operationsnarbe.
02 / DIE ENTSCHEIDUNG IM ORIGINAL
Einzelfallentscheidung – kein Schmerzensgeldtarif.
Verfahrensart: Urteil. Gerichtsdatum: 26.10.2016. Dieses Datum ist nicht das Veröffentlichungsdatum des Artikels.
| Gericht | Datum | Aktenzeichen | Verletzung | Betrag / Ergebnis | Primärquelle |
|---|---|---|---|---|---|
| LG Bielefeld | 6 O 385/15 | Operierter Speichenbruch am Handgelenk | 3.500 Euro Die konkrete Entscheidung betrifft eine 79-jährige Frau. Alter, Verletzungsverlauf und verbliebene Einschränkungen gehören zum Vergleich. | Amtlicher Entscheidungstext Rn. 46–52 |
Die konkrete Entscheidung betrifft eine 79-jährige Frau. Alter, Verletzungsverlauf und verbliebene Einschränkungen gehören zum Vergleich.
03 / WAS DER FALL ZEIGT
Die Funktion der Hand gehört in den Vergleich
Eine Frakturbezeichnung beschreibt nicht, wie sicher eine Hand später greift oder wie stark die Beweglichkeit eingeschränkt bleibt. Der Fall ist deshalb vor allem für die Unterscheidung zwischen ausgeheiltem Bruch und fortbestehender Funktionsbeeinträchtigung hilfreich. Eine Operation ist dabei ein Teil des Verlaufs, kein eigenständiger Geldtarif.
Für eine Prüfung sollten Operationsbericht, Nachbehandlung und aktuelle Funktionsbefunde zusammengeführt werden. Auch die im Alltag tatsächlich benötigte Unterstützung kann den Verlauf anschaulich machen. Die in dieser Entscheidung betroffene ältere Person darf nicht als allgemeiner Maßstab für jeden Handgelenksbruch behandelt werden: Lebenssituation und Verletzungsfolgen müssen im Einzelfall betrachtet werden.
So prüfen Sie die Vergleichbarkeit.
- Befund abgleichen: Vergleichen Sie die festgestellten Verletzungen und den Verlauf, nicht nur das Diagnosewort.
- Ergebnis richtig lesen: Unterscheiden Sie Forderung, frühere Zahlung, Gesamtbetrag und noch offene Nachzahlung.
- Haftung mitdenken: Prüfen Sie, ob die Entscheidung Mitverschulden, eigene Tiergefahr oder andere Besonderheiten berücksichtigt.
Diese Entscheidung ist ein Beispiel, keine Spanne und keine Kaufkraftanpassung. Sie ersetzt keine Prüfung Ihres Sachverhalts und garantiert kein Ergebnis.
Grundlagen: Ausgewählte Unfallentscheidungen · Unterlagen und NachweiseQuellen und rechtliche Grundlagen.
LG Bielefeld, Urteil vom 26.10.2016, 6 O 385/15
Amtlicher Entscheidungstext; Fundstelle: Rn. 46–52.
Die gesetzlichen Links ordnen die behandelten Rechtsfragen ein. Der jeweilige Betrag und die konkreten Feststellungen stammen aus der verlinkten Gerichtsquelle. Die besprochenen Verfahren werden nicht als eigene Mandate oder Erfolge der Kanzlei dargestellt.
Autor: Rechtsanwalt Uğur Demirel, Rechtsanwaltskammer Hamm. Redaktionsgrundsätze und Korrekturhinweise.