RATGEBER / AUSGEWÄHLTE UNFALLENTSCHEIDUNGEN

Schmerzensgeld bei Beckenverletzung: 10.000 Euro mit weiteren Folgen

Das Landgericht Kleve setzte 2023 nach einem Unfall insgesamt 10.000 Euro Schmerzensgeld an. Neben einer Beckenverletzung wurden erhebliche weitere Gesundheitsfolgen berücksichtigt. Bereits gezahlte 6.000 Euro führten zu einer zusätzlichen Verurteilung über 4.000 Euro. Der Gesamtbetrag eignet sich deshalb nicht als isolierter Vergleichswert für einen Beckenbruch ohne diese zusätzlichen Beeinträchtigungen.

01 / WAS WAR PASSIERT?

Der konkrete Sachverhalt.

79-jährige Geschädigte mit Beckenverletzung und Einblutungen, subduralem Hämatom, akutem Nierenversagen und Delir. Zwei Krankenhausaufenthalte, operative Beckenfixierung, mehrere Wochen Pflegebedarf und drei bis vier Monate Schmerzen.

02 / DIE ENTSCHEIDUNG IM ORIGINAL

Einzelfallentscheidung – kein Schmerzensgeldtarif.

Verfahrensart: Urteil. Gerichtsdatum: 29.08.2023. Dieses Datum ist nicht das Veröffentlichungsdatum des Artikels.

Einzelfall mit Originalangabe – keine Spanne und keine Kaufkraftanpassung.
GerichtDatumAktenzeichenVerletzungBetrag / ErgebnisPrimärquelle
LG Kleve4 O 227/20Beckenverletzung mit weiteren schweren Unfallfolgen10.000 Euro
10.000 Euro für das gesamte Schadensbild, kein Maßstab für einen isolierten Beckenbruch. Davon waren 6.000 Euro bereits gezahlt und 4.000 Euro wurden zusätzlich zugesprochen. Später fortbestehende Schmerzen waren nicht sicher unfallbedingt nachgewiesen.
Amtlicher Entscheidungstext
Rn. 42–49, 57

10.000 Euro für das gesamte Schadensbild, kein Maßstab für einen isolierten Beckenbruch. Davon waren 6.000 Euro bereits gezahlt und 4.000 Euro wurden zusätzlich zugesprochen. Später fortbestehende Schmerzen waren nicht sicher unfallbedingt nachgewiesen.

03 / WAS DER FALL ZEIGT

Mehrere schwere Gesundheitsfolgen müssen zusammen betrachtet werden

Zum bewerteten Verlauf gehörten nicht nur die Beckenverletzung, sondern auch ein subdurales Hämatom, akutes Nierenversagen und ein Delir. Diese Kombination unterscheidet den Fall von einer unkomplizierten, folgenlos verheilten Fraktur. Der gemeinsame Verlauf ist für die Einordnung aussagekräftiger als eine einzelne Diagnose in einer Tabelle.

Der Betrag von 4.000 Euro ist lediglich die zusätzlich zugesprochene Zahlung. Wer die bereits geleisteten 6.000 Euro ausblendet, unterschätzt den vom Gericht bewerteten Gesamtumfang. Für eine belastbare Gegenüberstellung sollten alle stationären Befunde und der Verlauf nach der Entlassung berücksichtigt werden. Ungeklärte weitere Beschwerden sind als solche zu kennzeichnen.

So prüfen Sie die Vergleichbarkeit.

  1. Befund abgleichen: Vergleichen Sie die festgestellten Verletzungen und den Verlauf, nicht nur das Diagnosewort.
  2. Ergebnis richtig lesen: Unterscheiden Sie Forderung, frühere Zahlung, Gesamtbetrag und noch offene Nachzahlung.
  3. Haftung mitdenken: Prüfen Sie, ob die Entscheidung Mitverschulden, eigene Tiergefahr oder andere Besonderheiten berücksichtigt.

Diese Entscheidung ist ein Beispiel, keine Spanne und keine Kaufkraftanpassung. Sie ersetzt keine Prüfung Ihres Sachverhalts und garantiert kein Ergebnis.

Grundlagen: Ausgewählte Unfallentscheidungen · Unterlagen und Nachweise

Quellen und rechtliche Grundlagen.

LG Kleve, Urteil vom 29.08.2023, 4 O 227/20
Amtlicher Entscheidungstext; Fundstelle: Rn. 42–49, 57.

Die gesetzlichen Links ordnen die behandelten Rechtsfragen ein. Der jeweilige Betrag und die konkreten Feststellungen stammen aus der verlinkten Gerichtsquelle. Die besprochenen Verfahren werden nicht als eigene Mandate oder Erfolge der Kanzlei dargestellt.

Autor: Rechtsanwalt Uğur Demirel, Rechtsanwaltskammer Hamm. Redaktionsgrundsätze und Korrekturhinweise.

GUT ZU WISSEN

Fragen zu diesem Thema.

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Was wurde in dieser Entscheidung zum Schmerzensgeld festgehalten?

10.000 Euro für das gesamte Schadensbild, kein Maßstab für einen isolierten Beckenbruch. Davon waren 6.000 Euro bereits gezahlt und 4.000 Euro wurden zusätzlich zugesprochen. Später fortbestehende Schmerzen waren nicht sicher unfallbedingt nachgewiesen.

Stehen die 10.000 Euro nur für einen Beckenbruch?

Nein. Das Gericht berücksichtigte zusätzliche erhebliche Gesundheitsfolgen. Der Fall darf daher nicht als isolierter Betrag für jeden Beckenbruch dargestellt werden.

Wie lässt sich der Fall mit meiner Situation vergleichen?

Prüfen Sie die tatsächlich festgestellten Folgen: Beckenverletzung mit weiteren schweren Unfallfolgen. Hinzu kommen Behandlungsverlauf, Haftungsanteile und frühere Zahlungen. Der veröffentlichte Fall liefert keinen garantierten Betrag für eine andere Person. Eine Anfrage wahrt keine Frist.

VOM VERGLEICHSFALL ZU IHREM ANLIEGEN

Was bedeutet das für Ihren Fall?

Schildern Sie Ereignis, Folgen und bisherige Zahlungen. Umfang und Kosten einer möglichen Beauftragung werden vorab geklärt. Eine Anfrage wahrt keine Frist.

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