ANSPRUCHSRATGEBER / KÖRPERVERLETZUNG & GEWALT

Schmerzensgeld trotz Notwehr: Welche Fragen sind entscheidend?

Eine durch Notwehr gebotene Handlung ist nach § 227 BGB nicht widerrechtlich. Ob diese Voraussetzungen vorlagen, muss anhand des konkreten Angriffs und der Abwehr geprüft werden. Die bloße Berufung auf Selbstverteidigung entscheidet den Fall nicht. Handlungen außerhalb einer gerechtfertigten Abwehr und die nachgewiesenen Verletzungsfolgen sind gesondert einzuordnen.

01 / RECHTLICH EINORDNEN

Was eine Notwehrlage voraussetzt

Das Gesetz knüpft an die erforderliche Verteidigung gegen einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff an. Eine bereits vergangene Auseinandersetzung oder eine bloße Behauptung von Ärger beantwortet diese Voraussetzungen nicht.

Für die Prüfung sind deshalb Zeitpunkt und Ablauf wichtig. Wann begann die behauptete Abwehr, welche Gefahr bestand noch und was wurde konkret getan? Einzelne Sätze ohne den Zusammenhang können zu einer falschen Einordnung führen.

Rechtliche Grundlage: § 227 BGB – Notwehr

02 / RECHTLICH EINORDNEN

Warum nicht jede Handlung mit Selbstverteidigung erklärt ist

Eine Rechtfertigung muss zu der konkreten Handlung passen. Dass es zuvor einen Angriff gab, rechtfertigt nicht automatisch jede spätere Maßnahme. Ob Grenzen überschritten wurden, ist eine gesonderte rechtliche Bewertung.

Für die Ereignisschilderung sollten Sie daher einzelne Phasen unterscheiden. Benennen Sie auch, wenn verschiedene Zeugen unterschiedliche Ausschnitte wahrnahmen. Tatsächliche Unsicherheiten dürfen nicht durch eine nachträglich vereinfachte Geschichte ersetzt werden.

Rechtliche Grundlage: § 227 BGB – Notwehr · § 286 ZPO – Beweiswürdigung

03 / RECHTLICH EINORDNEN

Welche Bedeutung die Verletzungsfolgen behalten

Liegt eine zurechenbare rechtswidrige Verletzung vor, sind deren Folgen für einen möglichen Ausgleich zu prüfen. Die Schwere einer Wunde allein beantwortet jedoch nicht, ob die verursachende Handlung gerechtfertigt war.

Befunde und Hergangsbeweise erfüllen deshalb verschiedene Aufgaben. Eine Diagnose entscheidet keine Notwehrfrage, und eine Zeugenschilderung ersetzt keinen medizinischen Nachweis. Erst die geordnete Zusammenführung erlaubt die rechtliche Einordnung.

Rechtliche Grundlage: § 823 BGB – Schadensersatzpflicht · § 253 BGB – immaterieller Schaden · § 286 ZPO – Beweiswürdigung

04 / RECHTLICH EINORDNEN

Wie vorhandene Entscheidungen eingeordnet werden

Strafrechtliche Unterlagen können für die Prüfung wichtig sein. Ihr konkreter Inhalt sollte vorliegen; eine kurze Zusammenfassung wie Verfahren eingestellt sagt nicht, welche Feststellungen tatsächlich getroffen wurden.

Legen Sie daher Entscheidungen, Begründungen und vorhandene Forderungsschreiben vollständig vor. Die Kanzlei kann anschließend klären, welche weiteren Unterlagen benötigt werden. Ein Zahlungsanspruch oder sein Ausschluss wird nicht allein anhand eines Schlagworts zugesagt.

Rechtliche Grundlage: § 227 BGB – Notwehr · § 823 BGB – Schadensersatzpflicht

Prüfpunkte und Nachweise – keine Betragsbewertung.

Praktische Übersicht für die Vorbereitung Ihrer Anfrage
PrüfpunktHilfreicher NachweisWichtige Abgrenzung
AngriffZeitpunkt und VerlaufGegenwärtigkeit konkret prüfen
AbwehrEinzelne HandlungKeine pauschale Rechtfertigung
FolgenBefundeSchwere ersetzt keine Hergangsprüfung

Das hilft beim ersten Kontakt.

  • Gesamter Ablauf mit einzelnen Phasen
  • Zeugen und vorhandene Aufnahmen
  • Vollständige strafrechtliche Entscheidungen

Vorhandene Unterlagen genügen für den Einstieg. Nennen Sie bekannte Fristen und bereits abgegebene Erklärungen sofort. Eine Anfrage wahrt keine Frist.

Grundlagen zum Thema · Nachweise und Unterlagen

Primärquellen und redaktioneller Stand.

Erstellt am . Die verlinkten Vorschriften tragen die jeweils daneben erläuterten Rechtsfragen. Für ein früheres Ereignis ist die damals anwendbare Fassung gesondert zu prüfen.

Allgemeine rechtliche Orientierung; keine individuelle Anspruchs-, Diagnose- oder Betragsentscheidung. Autor: Rechtsanwalt Uğur Demirel, Rechtsanwaltskammer Hamm. Quellen, Redaktionsgrundsätze und Korrekturhinweise.

GUT ZU WISSEN

Fragen zu diesem Thema.

Allgemeine Orientierung ist ein Anfang. Welche Antwort für Ihren Fall trägt, klären wir anhand Ihrer Unterlagen.

Persönlich nachfragen
Reicht die Aussage ich habe mich verteidigt?

Nein. Die gesetzlichen Voraussetzungen müssen anhand des konkreten Geschehens geprüft werden.

Entscheidet eine schwere Verletzung die Notwehrfrage?

Nein. Verletzungsfolgen und Rechtfertigung sind unterschiedliche Prüfungsfragen.

Sollte eine Einstellungsentscheidung vollständig vorliegen?

Ja. Erst der Inhalt zeigt, welche Aussagen sie zum Geschehen tatsächlich enthält.

VOM VERGLEICHSFALL ZU IHREM ANLIEGEN

Was bedeutet das für Ihren Fall?

Schildern Sie Ereignis, Folgen und bisherige Zahlungen. Umfang und Kosten einer möglichen Beauftragung werden vorab geklärt. Eine Anfrage wahrt keine Frist.

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