ANSPRUCHSRATGEBER / KÖRPERVERLETZUNG & GEWALT

Körperverletzung durch Minderjährige: Wer haftet?

Verursacht ein Minderjähriger eine Verletzung, sind seine eigene Verantwortlichkeit und eine mögliche Haftung der Aufsichtspflichtigen getrennt zu prüfen. Alter, Einsichtsfähigkeit und der konkrete Zusammenhang sind wichtig. Eltern haften nicht allein deshalb, weil es ihr Kind ist. Auch eine bestehende Haftpflichtversicherung ersetzt die Prüfung von Haftung und Versicherungsdeckung nicht.

01 / RECHTLICH EINORDNEN

Die eigene Verantwortlichkeit des Minderjährigen prüfen

§ 828 BGB enthält alters- und situationsbezogene Regeln. Die Prüfung darf deshalb nicht auf die pauschale Aussage Kinder haften nie reduziert werden. Ebenso wenig ist jede Handlung eines Jugendlichen ohne Weiteres wie die eines Erwachsenen zu bewerten.

Benennen Sie Alter und konkreten Ablauf möglichst genau. Ein Verkehrsereignis und eine vorsätzliche Auseinandersetzung können unterschiedliche Fragen aufwerfen. Die rechtliche Einordnung braucht diese Unterscheidung.

Rechtliche Grundlage: § 828 BGB – Minderjährige

02 / RECHTLICH EINORDNEN

Warum Elternhaftung nicht automatisch entsteht

Für Aufsichtspflichtige regelt § 832 BGB eigene Voraussetzungen. Die Verantwortung der Eltern ist daher nicht einfach ein Ersatz für einen möglicherweise fehlenden Anspruch gegen das Kind. Aufsicht und Umstände müssen konkret betrachtet werden.

Ein kurzer Hinweis auf den Schaden genügt nicht für eine gesicherte Aussage über die Aufsicht. Hilfreich sind Angaben zur Situation, zum Alter und zu den tatsächlich bekannten Umständen. Vermutungen sollten nicht als feststehender Aufsichtsfehler dargestellt werden.

Rechtliche Grundlage: § 832 BGB – Aufsichtspflicht

03 / RECHTLICH EINORDNEN

Versicherung und vorsätzliche Schädigung unterscheiden

Ob Versicherungsschutz besteht, ist eine zusätzliche Frage. § 103 VVG behandelt die vorsätzliche und widerrechtliche Herbeiführung des Schadens durch den Versicherungsnehmer. Welche konkrete Person und welcher Vertrag betroffen sind, muss geprüft werden.

Deshalb lässt sich aus der bloßen Nennung einer Familienhaftpflicht keine sichere Zahlung ableiten. Umgekehrt beantwortet eine Deckungsfrage nicht automatisch jede gesetzliche Haftungsfrage. Legen Sie vollständige Versicherungsstellungnahmen vor.

Rechtliche Grundlage: § 103 VVG – vorsätzliche Schädigung · § 823 BGB – Schadensersatzpflicht

04 / RECHTLICH EINORDNEN

Den Schaden unabhängig von der Altersfrage belegen

Befunde und der Behandlungsverlauf bleiben für die Höhe eines möglichen Ausgleichs wichtig. Ordnen Sie sie dem konkreten Ereignis zu. Die Diskussion um die Verantwortlichkeit ersetzt diesen Teil der Prüfung nicht.

Nennen Sie bereits erbrachte Zahlungen und vorhandene Erledigungserklärungen. Wer Anspruchsgegner ist und wie vorzugehen ist, sollte vor kostenintensiven Schritten geklärt werden. Eine Anfrage wahrt keine Frist.

Rechtliche Grundlage: § 253 BGB – immaterieller Schaden · § 286 ZPO – Beweiswürdigung

Prüfpunkte und Nachweise – keine Betragsbewertung.

Praktische Übersicht für die Vorbereitung Ihrer Anfrage
PrüfpunktHilfreicher NachweisWichtige Abgrenzung
MinderjährigerAlter und Situation§ 828 BGB konkret prüfen
AufsichtTatsächliche UmständeKeine automatische Elternhaftung
VersicherungVertrag und BeteiligteDeckung und Haftung auseinanderhalten

Das hilft beim ersten Kontakt.

  • Alter der Beteiligten und genauer Ablauf
  • Bekannte Aufsichtsumstände
  • Befunde und Versicherungsstellungnahmen

Vorhandene Unterlagen genügen für den Einstieg. Nennen Sie bekannte Fristen und bereits abgegebene Erklärungen sofort. Eine Anfrage wahrt keine Frist.

Grundlagen zum Thema · Nachweise und Unterlagen

Primärquellen und redaktioneller Stand.

Erstellt am . Die verlinkten Vorschriften tragen die jeweils daneben erläuterten Rechtsfragen. Für ein früheres Ereignis ist die damals anwendbare Fassung gesondert zu prüfen.

Allgemeine rechtliche Orientierung; keine individuelle Anspruchs-, Diagnose- oder Betragsentscheidung. Autor: Rechtsanwalt Uğur Demirel, Rechtsanwaltskammer Hamm. Quellen, Redaktionsgrundsätze und Korrekturhinweise.

GUT ZU WISSEN

Fragen zu diesem Thema.

Allgemeine Orientierung ist ein Anfang. Welche Antwort für Ihren Fall trägt, klären wir anhand Ihrer Unterlagen.

Persönlich nachfragen
Haften Eltern immer für ihre Kinder?

Nein. Eine mögliche Aufsichtspflichtverletzung ist nach eigenen Voraussetzungen zu prüfen.

Sind Minderjährige immer von jeder Haftung befreit?

Nein. § 828 BGB unterscheidet nach Alter und Konstellation.

Garantiert eine Familienhaftpflicht die Zahlung?

Nein. Haftung und konkrete Versicherungsdeckung müssen getrennt geklärt werden.

VOM VERGLEICHSFALL ZU IHREM ANLIEGEN

Was bedeutet das für Ihren Fall?

Schildern Sie Ereignis, Folgen und bisherige Zahlungen. Umfang und Kosten einer möglichen Beauftragung werden vorab geklärt. Eine Anfrage wahrt keine Frist.

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